Angst vor Sichtbarkeit, Martina Fuchs, Expert Branding,

In der Arbeit mit meinen Kunden erlebe ich regelmäßig folgendes Phänomen: In dem Moment, wo es darum geht, mit der eigenen Expertise wirklich sichtbar zu werden, seinen Platz im Markt einzunehmen und auf den Marketing-Bühnen dieser Welt präsent zu sein, schlägt sie zu, die Angst vor Sichtbarkeit.

Sich mit seinem Knowhow zu zeigen, Stellung zu beziehen und zu sagen: „Dafür stehe ich mit meinem Namen“ ist für viele Menschen kein leichter Schritt. Hinter der Angst vor Sichtbarkeit lauern Zweifel, innere kritische Stimmen sowie blockierende Glaubenssätze und Überzeugungen, die immer auf die eigene Person und Tun abzielen.

Imposter Syndrom – Hilfe ich bin ein Hochstapler

Dabei kann es besonderes Menschen treffen, die sogar über außergewöhnlich viel und fundierte Expertise verfügen. Jeder von uns kennt diese inneren Mitbewohner und Gesellen, die einem in schöner Regelmäßigkeit von hinten ins Ohr flüstern: Dafür bist Du nicht gut genug! Pah, ohne Hochschulabschluss und drei Doktor-Titel brauchst Du da gar nicht antreten! Wie Du heute wieder ausschaust! Willst Du wirklich so vor die Kamera und ein Video drehen? Die Leute werden sich schlapp lachen, wenn Sie Dich so sehen!

Was, Du willst auf die Bühne als Speaker? Drehst Du jetzt total durch? Du hast doch gar nichts zu sagen! Du willst ein Buch schreiben? Wer soll das schon lesen? Da gibt es tausend BESSERE als Dich da draußen! Wenn Du Dich jetzt ertappt fühlst, dann könnte es sein, dass Du unter der Experten Krankheit Imposter Syndrom, also dem Hochstapler-Syndrom, leidest.

Zwei Urbedürfnisse als Steuermänner

Diese innere Abteilung der Zweifler, Kritiker und schlechten Stimmungs-Macher tritt immer dann auf’s Parkett und schürt Deine Angst vor Sichtbarkeit, wenn Du Deine Komfort-Zone verlassen möchtest. Dann geben sie richtig Gas, denn Sie wollen eigentlich nur eins: Sie wollen Dich schützen und dafür sorgen, dass Du im sicheren Hafen bleibst.

Aber wovor wollen Sie Dich eigentlich schützen? Dazu mußt Du Dir über zwei Ur-Bedürfnisse bewusst sein, die uns innerlich antreiben und steuern:

Angst vor Sichtbarkeit: Wunsch nach Anerkennung & Liebe.

Wir wollen geliebt werden und wenn möglich, von Allen. Wir wollen und wünschen uns Anerkennung für das, wer wir sind und was wir tun. Wir wollen das unsere Familie, der Partner, Freunde, Kollegen und Kunden unsere Person und unser Tun gut heißen, wertschätzen und uns auf die Schulter klopfen.

Angst vor Sichtbarkeit: Wunsch nach Zugehörigkeit.

Ob Familie, Freundeskreis, Kollegen oder Netzwerke, wir sind Herden-Tiere und wollen einfach dazugehören. Das ist eines der Erfolgsgeheimnisse von Facebook & Co., denn im ältesten Teil unseres Gehirns, dem Stammhirn ist bis heute fest verankert, das ohne Clan, ohne Zugehörigkeit kein Überleben möglich ist.

Je nachdem, welche Erfahrungen Du innerhalb Deines sozialen Gefüges zu diesen zwei Urbedürfnissen gesammelt hast, sind diese unterschiedliche ausgeprägt und können Defizite aufweisen. Je stärker diese Defizite, um so machtvoller ist Dein inneres Streben, diese Urbedürfnisse zu befriedigen und zu erfüllen.

Das heißt, alles was den Anschein hat, diese Defizite noch zu vergrößern oder das bis dato Erreichte anzugreifen oder zu schwächen wird von Deinem inneren System als Bedrohung empfunden und ruft die innere Wachmannschaft auf den Plan: Achtung! Achtung! Es droht eine Gefahren-Zone! Bitte alles unternehmen, damit das Schiff im Hafen bleibt, statt zu unbekannten Ufern aufzubrechen.

Bodyguards zum Schutz vor Ablehnung & Verletzung

Hier legen sich Deine inneren Wächter voll ins Zeug! Sie packen alles aus was Sie haben und drücken sämtliche Knöpfe bei Dir, um Dich vor möglichen Verletzungen, Angriffen oder dem Verstoßen aus Deinem Clan zu schützen.

Diese Techniken und Strategien, so wichtig und hilfreich Sie in Deiner Kindheit waren, sind heute hinderlich, blockierend und manchmal auch gefährlich, wenn sie Dich davon abhalten not-wendiges zu tun. Wie beispielsweise für Dich und Dein Unternehmen die Marketing-Trommel zu rühren und sichtbar zu werden, denn ohne Kunden, keine Einnahmen, kein Geschäft.

Wer nicht sichtbar ist, ist nicht existent Klick um zu Tweeten

9 Strategien, die Angst vor Sichtbarkeit zu meistern:

1. Gib deiner Angst einen Platz

Deine Angst vor Sichtbarkeit zu unterdrücken oder negieren zu wollen bringt absolut gar nichts. Hier hilft nur eins: Sprich Deine größten Ängste aus. Unterhalte Dich mit ihnen und frag sie, was sie benötigen, damit sie die Herausforderungen mit Dir gemeinsam meistern. Du kannst sie auch einfach zu Papier zu bringen und der Angst damit bewusst einen Platz  geben. Das nimmt viel Druck raus und Du kannst mit klarem Kopfe agieren. Mach Dir bewusst: Ich habe Angst aber ich bin nicht meine Angst.

2. Arbeite mit Deinen inneren Wächtern

Wenn Deine inneren Wächter wie Kritiker, Zweifel & Co. das Haupt erheben, mach Dir bewußt, das sie dies nicht tun, um Dir zu schaden, sondern sie wollen Dich vielmehr schützen. Mach ihnen klar, dass sie bis dato einen super Job geleistet haben es aber an der Zeit ist, neue Wege zu gehen. Schicke sie mit Achtsamkeit und Dankbarkeit in Rente und transformiere ihre Kraft in positive Unterstützung. Dabei kann ein Coach Dir wertvolle Unterstützung geben und Dich durch diese Prozesse begleiten.

3. Bau Dir ein Team der Stärke auf

Hol Dir Unterstützung in Deinem Unternehmer- und Freundeskreis. Gründe ein Erfolgs-Team oder eine Mastermind-Gruppe, in der Ihr Euch gegenseitig unterstützt, Mut macht sowie vorab wertschätzendes, ehrliches Feedback für Eure Marketing-Maßnahmen gebt, bevor Ihr damit an die Öffentlichkeit tretet. Gemeinsam stark gegen die Angst vor Sichtbarkeit.

4. Everybody’s Darling is everybody’s Depp

Ja, auch wenn es schmerzt, nicht jeder wird das gut finden, was Du machst, sagst, tust etc. Du kannst es nicht jedem recht machen und das mußt Du akzeptieren. Aber das Gute daran ist, wenn Du Dich mit all Deinen Facetten, Ecken und Kanten zeigst, kommen in der Regel auch nur die Kunden zu Dir, die ähnlich wie Du ticken. Das spart Dir Zeit, Geld und manchmal auch Nerven.

5. Nimm ein Nein nicht persönlich 

Es haben sich 5 Leute von Deinem Newsletter abgemeldet? Kein Like und kein Kommentar unter Deinen Post, obwohl Du Dein volles Herzblutt reingelegt hast? So what! Nimm es nicht persönlich. Du kommentierst und likest doch auch nicht alles und auch Du meldest Dich wieder mal von einem Newsletter ab. Deswegen schickst Du aber nicht gleich die Verfasserin, den Verfasser deswegen in die Wüste. Du hast vielleicht einfach gerade keine Zeit oder Lust zur Interaktion oder das Thema ist nicht mehr interessant für Dich und so geht es eben auch Deinen Followern oder Lesern. Also einfach entspannt und sachlich bleiben und nicht alles auf Dich und Deine Person beziehen. Macht Dein Leben garantiert leichter.

6. Du hast etwas zu sagen! 

Ich bin mir absolut sicher, dass Du etwas zu sagen hast, das für viele Menschen sehr wertvoll ist. Ja, es kann sein, dass es zu diesem Thema bereits mehrere wertvolle Impulse gibt, aber eben keinen Beitrag, der durch Deine Persönlichkeit und durch Deine Erfahrung geprägt ist. Und dafür brauchst Du nicht noch eine weitere Zusatzausbildung, den dritten Doktor-Titel oder das 30igste Fachbuch zum Thema lesen. Lass Deine Erfahrung sprechen, das ist mehr Wert als reines Bücherwissen.

7. Die Wahl des richtigen Marketing-Instruments hilft bei Angst vor Sichtbarkeit

Wie heißt es so schön: Der Wurm muss dem Fisch und nicht dem Angler schmecken! Absolut richtig! Hier möchte ich aber eins ergänzen: Die Angel muss aber zum Fischer passen, denn wenn er damit nicht umgehen kann, wird auch der leckerste Köder nicht beißen!

Der Wurm muss dem Fisch schmecken, die Angel aber zum Fischer passen! Klick um zu Tweeten

Wähle also Deine Marketing-Angel mit Bedacht und überfordere Dich nicht damit. Vielleicht fängst Du lieber mit einem Podcast an, statt mit einer Video-Serie oder Du schreibst einmal im Monat einen Blogbeitrag, wenn Dich die ganze Technik noch schreckt. Folge einfach Deinen Vorlieben, denn Marketing soll Dir Spaß machen und vergiß nicht, Menschen spüren, ob wir etwas mit Unbehagen oder mit Freude machen.

8. In kleinen Schritten zum großen Ziel

Ich bin ein Freund der kleinen aber regelmäßigen Schritte, denn nur die Kontinuität bringt Dich ans Ziel. Das heißt, konzentriere Dich auf das Wesentliche und auf (D)eine Marketing-Plattform, die Du für Dich gewählt hast. Sei dort mindestens einmal wöchentlich, auf Deinem bevorzugten Socialmedia-Kanal am besten täglich präsent. Du wirst sehen, wenn die ersten positiven Feedbacks kommen, wirst Du mehr und mehr Freude daran finden und Deine Marketing-Präsenz immer weiter ausbauen und erhöhen. Aktion ist die beste Medizin bei jeder Form von Angst und besonders eben auch bei Deiner Angst vor Sichtbarkeit.

9. Perfektion schafft Aggression

Die Perfektion, der Wolf im Schafspelz, ist auch nichts anderes als die verkappte Angst vor Ablehnung. Wir wollen alles tausend prozentig gut und richtig machen, damit wir bloß keine Angriffsfläche bieten und uns alle zujubeln. Aber gerade online gilt ein Gesetz: Speed of Implementation. Heißt: Je schneller Du raus gehst, um so größer Deine Chance auf Erfolg. Heute fressen die Schnellen die Langsamen und da ist zu großer Perfektionismus hinderlich. Ganz im Gegenteil! Viele Produkte und Dienstleistungen werden on the go entwickelt. Das heißt, Du gehst mit Deiner Beta-Vision raus und durch das wertvolle Feedback Deiner Kunden optimierst Du Deinen Service oder Dein Produkt, während Du es bereits verkaufst. Also keine Angst vor Fehlern!

Ich wünsche mir, dass Dich dieser Beitrag dabei motiviert, Deine Angst vor Sichtbarkeit abzulegen sowie Deine Sichtbarkeit – on- wie offline – zu erhöhen. Und wenn Du wertvolle Sichtbarkeits-Strategien hast, die Anderen dabei helfen, dann teile Sie gerne in den Kommentaren mit uns. Ich freu mich darauf.

Letztes Update dieses Beitrags: 18. März 2021

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10 Kommentare
  1. Eva Lutz sagte:

    Hallo Martina, dieser Artikel von Dir ist ein Volltreffer. Danke, dass Du die emotionalen Beweggründe so klar ansprichst. Darüber werde ich weiter nachdenken. Auch der Fokus auf den „Angler“, spricht mich an. Was sagt Google dazu :). Egal, klein aber fein und vor allem mein – das ist sicherlich ein guter Weg. Deshalb danke für den Artikel und auf bald! Eva Lutz, HR am Datenstrom

    Antworten
  2. Otmar Witzgall sagte:

    Hallo Martina,

    danke für die Ermutigung in deinem Artikel.
    Mit der Angst muss man sich auseinandersetzen und weiter die kleinen Schritte zum Erfolg gehen. Hauptsache man kommt ins regelmäßige Tun.

    Gruß Otmar

    Antworten
  3. Beatrice sagte:

    Hallo Martina,
    ja diese Zweifler und Nörgler kenne ich auch. Du hast es sehr gut getroffen.

    Wichtig ist, wie du auch schreibst, diese Ängste bewusst zu kennen und ihnen einen Platz auf den hinteren Rängen zu geben.
    Danke für den schönen Artikel 🙂
    Viele Grüße
    Beatrice

    Antworten
  4. Manuela Meilinger sagte:

    Danke Martina, danke für diesen Artikel! Ja, so erlebe ich das in vielen Coachings und ab und an auch noch bei mir selbst 😉 Und es macht Sinn, sich diese Beweggründe oder auch seine eigenen Inneren Stimmen einfach mal zu verdeutlichen. Dann lässt es sich leichter damit umgehen.

    Antworten
  5. Ulrike Giller sagte:

    Hallo Martina,
    vielen Dank für den wunderbaren Artikel. Genauso ergeht es vielen meiner Kunden auch. Da greife ich gerne zu deinem Punkt 7: In kleinen Schritten zum großen Ziel. Wenn sie dann mal mit den ersten Schritten in die Umsetzung kommen, fällt es Vielen leichter, sich sichtbarer zu machen.
    Doch für den Mut zum 1. Schritt geht es manchmal einfach besser mit einem Coach oder Mentor.
    Viele Grüße
    Ulrike Giller

    Antworten
  6. Susann Hering sagte:

    Toll, genau was ich gerade gebraucht habe. Du hast bei mir voll ins Schwarze getroffen. Es baut mich unheimlich auf, dass du sagst mindestens einmal im Monat auf einer gewählten Plattform (bei mir ist es unter anderem YouTube) sichtbar zu sein. So kann man sich langsam ran tasten und es dann aufbauen. SUUUPER! Den Satz brauchte ich! Und ich dachte ich mache zu wenig, da ich mich mit diesen neuen Medien erst anfreunden muss. Das ist doch eine ganz andere Art der Sichtbarkeit.
    In kleinen Schritten zum Ziel und ich habe etwas zu sagen. Speed of Implantation.
    Ich bin total geflasht! Ganz herzlichen Dank!

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